Geschichte der chirurgischen Klinik
 

 

 

 

 

   
Rohbau des Krankenhauses 1962
 
Die Klinik für Chirurgie am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt Praunheim wurde 1963 von dem bis heute unvergessenen Chirurgen Prof. Dr. med. Edgar Ungeheuer begründet. Die Klinikgründung fußt auf der über 700 Jahre alten Tradition der Stiftung Hospital zum heiligen Geist, der heute noch bedeutendsten Einrichtung privater sozialer Fürsorge in Frankfurt am Main. Seit Ihrer Gründung ist die Klinik der Behandlung und intensiver Pflege von Patienten mit chirurgischen Erkrankungen unter dem Aspekt der christlichen Caritas und des bürgerlichen Gemeinschaftsdenkens verpflichtet.
 
Chirurgische Chefärzte am Krankenhaus Nordwest
Prof. Dr. med. Edgar Ungeheuer

Prof. Edgar Ungeheuer wurde am 6. Januar 1920 in Rimbach geboren. Er wuchs als Sohn eines Landarztes auf und absolvierte das Realgymnasium in Weinheim an der Bergstraße. Nach dem Abitur wurde er 1938 zur Wehrmacht eingezogen, später zum Studium freigegeben.

Obwohl sein Medizinstudium in Halle, Marburg, Straßburg und Heidelberg durch Einsätze als Sanitätsoffizier unterbrochen wurde, konnte er 1944 in Heidelberg mit Staatsexamen und Promotion seine akademische Ausbildung abschließen. Seine chirurgische Fachausbildung absolvierte er ab 1945 bei Prof. Bauer, ebenfalls an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Prof. Ungeheuer folgte 1947 Prof. Geißendörfer an die Chirurgische Universitätsklinik in Frankfurt am Main. 1953 erhielt er die Venia legendi für das Fach Chirurgie, ab 1958 war er apl. Professor. Im Oktober 1963 wurde er ärztlicher Direktor der Chirurgischen Klinik des neu gebauten Krankenhauses Nordwest in Frankfurt am Main.

Prof. Edgar Ungeheuer erwarb sich große Verdienste in vielen Bereichen der deutschen Chirurgie.

Schon in den Nachkriegsjahren bemühte er sich mit großem Erfolg darum, der deutschen Chirurgie den Anschluss an die Innovationen der amerikanischen Chirurgie zu verschaffen. Er war unter anderem einer der ersten deutschen Chirurgen, die Operationen am offenen Herzen mit der Herz-Lungen-Maschine durchführten. Große Verdienste erwarb er sich auch in der Unfall-, Gefäß- und Bauchchirurgie. Seine umfangreichen chirurgischen Erfahrungen dokumentierte Edgar Ungeheuer in zahlreichen Publikationen auf allen Gebieten der Chirurgie. Er erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen, u. a. die sowjetische Visneskij-Medaille (1964), die Ernst-von-Bergmann-Plakette (1969), die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt (1980), das Bundesverdienstkreuz I. Klasse (1981), das Große Bundesverdienstkreuz (1990).
Ab 1964 gehörte Ungeheuer dem Deutschherrenbund des Deutschen Ordens als Mitglied der Familiaren an, 1965 wurde er als Komtur in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen.
 
Prof. Ungeheuer engagierte sich neben seiner praktisch-chirurgischen Arbeit in zahlreichen wissenschaftlichen und chirurgischen Gremien. Er war ab 1961 Mitglied im Facharztausschuss für Chirurgie der Landesärztekammer Hessen, ab 1968 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (ab 1974 Vorstandsmitglied). Ab 1975 war Edgar Ungeheuer Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und in der Amtsperiode 1979/80 der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Edgar Ungeheuer war weiterhin Mitglied des Senates für ärztliche Fortbildung in der Bundesärztekammer und Vorstandsmitglied im Berufsverband der Deutschen Chirurgen. Als medizinisch-wissenschaftlicher Fachredakteur war Ungeheuer beim Deutschen Ärzteblatt für das Fach Chirurgie zuständig. Er gehörte dem Herausgebergremium der Zeitschrift Fortschritte der Medizin an und war wissenschaftlicher Beirat der Zeitschriften Diagnostik und Aktuelle Traumatologie. Ab 1988 bekleidete Edgar Ungeheuer das Amt des Generalsekretärs der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
Verabschiedung von Prof. Ungeheuer in der alten Oper Frankfurt.
Prof. Ungeheuer starb am 16. Oktober 1992 im Alter von 72 Jahren an einem Krebsleiden. Die deutsche Ärzteschaft würdigte die herausragenden Leistungen dieses außergewöhnlichen Chirurgen 1994 mit der Verleihung der Paracelsus-Medaille als höchste Auszeichnung für verdiente Ärzte im In- und Ausland. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie ehrt und erinnert Herrn Prof. Ungeheuer heute durch die jährliche Verleihung des Ungeheuer-Preises für herausragende Lehrfilme über neue Operationsmethoden in der Chirurgie.
 
 
Prof. Dr. med. Hermann Bockhorn

Hermann Bockhorn wurde am 26. Juni 1940 in Brünn geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin in Marburg/Lahn, Montpellier und in Freiburg im Breisgau erfolgte seine Facharztausbildung für Chirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover bei Prof. Dr. Rudolf Pichlmayr, dem Pionier der deutschen Transplantationschirurgie.

Neben dem Facharztstatus für Chirurgie erwarb er die Zusatzbezeichnung für Unfallchirurgie. Nach Oberarztfunktionen an der Chirurgischen Universitätsklinik Hannover wechselte er 1978 an die Universitätsklinik Tübingen zu Prof. Dr. L. Koslowski.

An der Universitätsklinik Tübingen wurde er mit Leitungsfunktionen in der Organtransplantation von Niere, Bauchspeicheldrüse und Leber betraut.

Noch 1978 erfolgte die Habilitation mit Erhalt der Venia legendi für das Fach Chirurgie an der Universitätsklinik Tübingen und die Übertragung der Position des Geschäftsführenden Oberarztes sowie des Vertreters des Geschäftsführenden Direktors der Klinik. 1985 wurde Herr Bockhorn außerplanmäßiger Professor für das Fach Chirurgie an der Universität Tübingen. Neben der Fortentwicklung der Transplantationschirurgie in Tübingen widmete sich Herr Bockhorn besonders der großen onkologischen und gastroenterologischen Viszeralchirurgie mit Schwerpunkten der Chirurgie der Speiseröhre, des Magens, der Bauchspeicheldrüse sowie der großen kolorektalen Chirurgie. Einen besonderen Schwerpunkt stellte zu jeder Zeit die Chirurgie der Leber und der Gallenwege (hepatobiliäre Chirurgie) dar.

Mehrere Auslandsforschungsaufenthalte sowie Hospitationen in Paris im Hôpital Necker, Hôpital Saint-Antoine und Hôpital Paul Brousse bei Prof. Hamburger, Prof. Dausset und Prof. Bismuth rundeten den chirurgischen Erfahrungsgewinn ab. Als Stipendiat des British Councils erfolgten in den Jahren 1977 und 1988 Hospitationen an der Universität Cambridge bei Prof. R. Calne sowie in Oxford bei Prof. Peter Morris. In den Jahren 1985 und 1987 widmete sich Prof. Bockhorn dem Aufbau klinischer und wissenschaftlicher Kooperationen mit Aufenthalten am National Health Institute NJH bei Prof. Rosenberg, dem Hôpital Paul Brousse bei Prof. Bismuth sowie an der Chirurgischen Klinik Basingstoke in London bei Prof. J. Heald zur Optimierung der Chirurgie der Speiseröhre, der Leberresektion sowie der kolorektalen Chirurgie mit dem Schwerpunkt der Mesorektumexzision.

Prof. Bockhorn leitete die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Krankenhauses Nordwest mit überregional großem Erfolg. Während seiner klinischen Tätigkeit setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort und publizierte insgesamt 140 wissenschaftliche Originalarbeiten, Buchbeiträge und Übersichtsartikel in nationalen und internationalen Peerreviewed Zeitschriften. Dokumentiert sind ebenfalls zahlreiche Vorträge auf wissenschaftlichen Kon-gressen sowie Fortbildungsveranstaltungen. Unter seiner Führung wurden 38 Dissertationen erfolgreich abgeschlossen. Prof. Bockhorn ist Mitglied mehrerer renommierter nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften der Chirurgie, u. a. Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der World Association of Hepato-Pancreato-Biliary Surgery sowie von The Transplantation Society. Er ist Mitglied in den Chirurgischen Arbeitsgemeinschaften für Onkologie, für Endokrinologie sowie Intensivmedizin und FRCS und FACS.

Am 30.07.2005 trat Prof. Bockhorn nach einer insgesamt 18jährigen Tätigkeit als Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Nordwest in den Ruhestand.

 
Verabschiedung von Prof. Bockhorn
   
Bei der Verabschiedungsfeier von Prof. Bockhorn
   
Verabschiedung von Professor Kraus durch Professor M.W. Buechler von der chir. Univ.-Klinik Heidelberg
   
Prof. Christian Herfarth, chirurgischer Lehrer von Thomas W. Kraus
   
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