Schilddrüse
 
 
 

 

 

 

 

   

Funktion

Die Schilddrüse ist verantwortlich für die Produktion, Speicherung und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone. Ihre Aktivität unterliegt der Steuerung durch Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Bei zu niedrigem Schilddrüsenhormonspiegel im Blut wird die Schilddrüse mittels hormonaler Signale dazu stimuliert, vermehrt Schilddrüsenhormone auszuschütten. Die Thyreozyten bilden zwei Hormone: das Trijodthyronin und das Tetrajodthyronin. Diese sind für die Regulierung der Grundaktivität jeder Körperzelle verantwortlich. Das Fehlen beider Hormone ist mit dem Leben unvereinbar. Bei einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen werden Energiehaushalt und Stoffwechsel der Körperzellen gebremst. Eine krankhaft erhöhte Schilddrüsenhormonmenge im Blut führt zu einer Überfunktion mit entsprechend erhöhtem Energiebedarf.
 
Lage
Die Schilddrüse liegt unter dem Kehlkopf und hat die Form eines Schmetterlings. Ihre beiden Lappen legen sich von vorne um die Luftröhre. Die Schilddrüse wiegt bei einer Frau ungefähr 18 Gramm und beim Mann zirka 25 Gramm.
Die Schilddrüse besteht aus spezialisierten Schilddrüsenzellen, die sich in Form vieler kleinster Bläschen (Follikel) aneinander lagern. Hinter den Schilddrüsenlappen verlaufen beidseitig diejenigen Nerven, welche die inneren Kehlkopfmuskeln innervieren und damit für die Stimmbildung verantwortlich sind. Auf Grund ihres anatomischen Verlaufes werden sie Nervi recurrentes (Rückläufernerven) genannt. Bei Schilddrüsenoperationen müssen diese Nerven geschont werden. Hinter der Schilddrüse liegen die Nebenschilddrüsen.
 
Erkrankungen der Schilddrüse
Bei folgenden Krankheiten der Schilddrüse muss eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden:
- Deutliche Vergrößerung der Schilddrüse mit Knotenbildung
- Schilddrüsenüberfunktion
- Schilddrüsentumor
 
Indikationen zur Operation
Eine operative Behandlung der Schilddrüse sollte bei den folgenden Funktionsstörungen und Erkrankungen der Schilddrüse erfolgen:
- Einer deutlichen Vergrößerung der Schilddrüse mit Knotenbildung, die medikamentös nicht mehr ausreichend behandelt werden kann.
- Einer Schilddrüsenüberfunktion, die medikamentös nur unzureichend unterdrückt werden kann oder nach Absetzen der Medikamente (empfohlener Zeitraum für die medikamentöse Therapie: 12 Monate) wiederauftritt.
- Einer knotigen Veränderung der Schilddrüse, die den Verdacht auf das Vorliegen eines bösartigen Schilddrüsentumors (Schilddrüsencarcinom) nahelegt.
 
Operative Therapie
Eine Schilddrüsenoperation erfolgt immer in Vollnarkose. Der Zugang zur Schilddrüse erfolgt durch einen 6 - 8cm großen, quer verlaufenden Hautschnitt, 2cm über den Schlüsselbeinen. An spezialisierten Zentren werden Schilddrüsenoperationen heute mit einer sehr niedrigen Komplikationsrate durchgeführt. An unserer Klinik erfolgt routinemäßig eine Darstellung der Stimmbandnerven und Kontrolle ihrer Funktion durch ein so genanntes Neuromonitoring.
Das Ausmaß der Schilddrüsenoperation hängt von der zu behandelnden Erkrankung ab. Bei einer beidseits vergrößerten, knotig veränderten Schilddrüse erfolgt in der Regel die vollständige Entfernung des stärker betroffenen Schilddrüsenlappens (Hemithyreoidektomie), der andere Schilddrüsenlappen wird auf einen 1 bis 2 cm3 Rest verkleinert (subtotale Resektion).
Bei sehr ausgedehnten Veränderungen der Schilddrüse oder bei Nachweis eines Schilddrüsencarcinoms wird die gesamte Schilddrüse entfernt. Bereits während der Operation erfolgt zum Ausschluss eines Schilddrüsencarcinoms eine Untersuchung des Gewebes durch einen Pathologen, der einen ersten Befund an den Chirurgen weiterleitet (Schnellschnittuntersuchung). Liegt ein Schilddrüsencarcinom vor, so erfolgt neben der Entfernung der Schilddrüse, eine Entfernung der, die Schilddrüse umgebenden Lymphabflusswege und Lymphknoten.
Die stationäre Aufnahme erfolgt in der Regel einen Tag vor der Operation. Nach der Operationen können Sie bereits am Operationstag wieder essen und trinken. Die Entlassung erfolgt am 2. bis 3. Tag nach der Operation.
 
Komplikationen
Trotz einer sehr präzisen Operationstechnik kann es auch an spezialisierten Zentren in seltenen Fällen zum Auftreten von Komplikationen nach Schilddrüsenoperationen kommen.

- Lähmung des Stimmbandnerven (Recurrensparese)
Eine einseitige Schädigung des Stimmbandnerven führt zum Auftreten einer Heiserkeit. Bei einer beidseitigen Schädigung der Stimmbandnerven resultiert eine tonlose Stimme verbunden mit einer Schluckstörung. Ursache für den Funktionsverlust des Stimmbandnerven ist selten praktisch nie eine Durchtrennung des Nerven, sondern meist eine Funktionsstörung durch Druck oder Zug. Eine Rückbildung der nach einer Schilddrüsenoperation bestehenden Heiserkeit findet in der Mehrzahl der Fälle nach einigen Wochen bis Monaten statt.

- Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen
Bei den Nebenschilddrüsen handelt es sich um vier, 2 bis 3 mm große Organe, die sich im Bereich der hinteren Schilddrüsenkapsel befinden und über eine Regulierung des Parathormons, den Calciumstoffwechsel steuern. In der Regel kommt es nur bei einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse in wenigen Fällen zu einer Schädigung der Nebenschilddrüsen. Kommt es nach der Operation zum Auftreten eines Calciummangels, der sich in Form von Muskelkrämpfen äußert, werden diese Symptome durch Gabe von Calciumtabletten ausgeglichen.

- Nachblutung
Die Schilddrüse ist, nach der Niere, das am besten durchblutete Organ des menschlichen Körpers. Bei Anwendung einer sehr sorgfältigen Operationstechnik mit Darstellung und Unterbindung auch kleinster Gefäße ist eine Nachblutung nach einer Schilddrüsenoperation heute ein sehr seltenes Ereignis geworden.

 
Nachsorge
In den Stunden nach der Schilddrüsenoperation erfolgt eine klinische Überwachung der Herz-Kreislauf-Parameter, eine Kontrolle des Verbandes und der eingelegten Wunddrainagen sowie eine Laboruntersuchung.
Die Wunddrainagen werden am 1. Tag nach der Operation entfernt, der Hautfaden wird am 3. bis 4. postoperativen Tag gezogen. Am 2. postoperativen Tag erfolgt eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung zur Kontrolle der Stimmbandfunktion. Vor der Entlassung aus der Klinik erfolgt ein abschließendes Gespräch mit den behandelnden Ärzten zur Besprechung des Befundes der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) und einer Festlegung des weiteren Vorgehens. Die weitere Betreuung übernimmt dann Ihr Hausarzt bzw. der behandelnde Endokrinologe. Zur Vermeidung einer erneuten Knotenbildung des verbleibenden Schilddrüsenrestes ist eine tägliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen (Thyroxin) erforderlich. In Abhängigkeit von der Größe des Schilddrüsenrestes wird eine zusätzliche Jodeinnahme empfohlen.